Infos zum Standort
29.07.2021

Wandern, Kneippen und Stadtbummeln

Autist*innen und Mitarbeiter*innen der Rummelsberger Diakonie verraten ihre Lieblingsplätze für eine schöne Ferienzeit daheim.

Nürnberg Land - Sommer, Sonne, Sommerferien: Am Freitag ist der erste Ferientag. Doch auch in diesem Jahr wollen einige Familien wegen der Corona-Pandemie lieber zu Hause bleiben. Also haben wir uns im Fachbereich Autismus umgehört und Menschen im Autismus-Spektrum und Mitarbeiter*innen gefragt, welche Ausflüge sie empfehlen können.

Ausflugstipp 1: Das historische Hersbruck

Das Schöne ist manchmal ganz nah: Das denken sich auch Christian Becker und Fabian Probst und schlagen einen Ausflug ins schöne Hersbruck vor. Beide leben im Wohnangebot des Fachbereichs Autismus im Stadtteil Weiher mit Blick auf die Hersbrucker Schweiz. Nicht nur wegen ihrer idyllischen Lage zählt die Kleinstadt zu den schönsten Städten Frankens. Besucher*innen können die sehr gut erhaltene historische Altstadt besichtigen.

Zu ihren Wahrzeichen zählen zum Beispiel die Stadttore und das Schloss Hersbruck. In der Innenstadt gibt es nette Einkaufsmöglichkeiten und viele Cafés sowie Gaststätten zum Einkehren. Wenn es heiß ist, machen Christian und Fabian gerne einen Abstecher in die Stadtkirche. In deren historischen Mauern bleibt es kühl. Gerne besuchen die beiden auch eine der drei Eisdielen, in der Natureisdiele gibt es übrigens auch veganes Eis.

Für weitere Tipps und Infos klicken Sie auf dem Internetauftritt der Stadt Hersbruck auf die Rubrik „Stadt & Gäste“.

Ausflugstipp 2: Wanderung nach Kühnhofen

Bewegung an der frischen Luft macht Spaß: Das findet auch Nicolas Wolf. Er wohnt in Lauf und arbeitet in der Förderstätte in Hersbruck. Eine seiner Lieblingsrouten ist der Weg vom Michelsberg nach Kühnhofen. Die leichte Wanderung führt durch schöne Mischwälder und entspannt an naturbelassenen Bächen entlang. Der fünf Kilometer lange Rundweg hat viele gerade Stücke und nur wenig Steigungen.

Für Nico Wolf ist das Highlight der Tour ganz klar der Grüne Baum in Kühnhofen. Den Gasthof erreicht man je nach Tempo nach einer Stunde. Nicolas liebt es, auf der großen Terrasse zu sitzen und Kaffee zu trinken und hausgebackenen Kuchen zu essen. . Ein weiteres Highlight: Kurz vor Hersbruck führt der Weg auf rund 200 Metern an einer Pferdekoppel vorbei. Bitte beachtet: Die Tiere dürfen nicht gefüttert werden!

Mehr Infos zu den Wanderungen um Hersbruck

Ausflugstipp 3: Kneippbecken rund um Hersbruck

Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos blau: Ein perfekter Tag fürs Schwimmbad oder den Happurger Stausee. Jonas Deierling und Eva David finden Wasser auch spannend, wenn sie nicht baden können. Beide leben in der Wohneinrichtung für Menschen im Autismus-Spektrum in Hersbruck. Mit Vorliebe besuchen sie im Sommer eines derKneippbecken in der Umgebung. Die Kneippanlage in Kucha gefällt beiden sehr gut, weil sie dort in interessanter Umgebung in der Nähe eines Spielplatzes und des Hammerbach-Radwegs ihre Runden im Wasser drehen können.

Insgesamt sieben Kneippbecken gibt es in der Nähe von Hersbruck. Wohltuend für die Waden ist das Wassertreten besonders nach einer schönen Wanderung. Übrigens: Johann Anton Kneipp war zwar nicht der Erfinder der Wassermedizin, jedoch hat er sie weit verbreitet und ist somit zu ihrem Namensgeber geworden.

Weitere Infos zu den Kneippanlagen rund um Hersbruck

Ausflugtipp 4: Wanderung an den Bergflanken von Arzberg und Deckersberg

Wanderung mit Ausblick: Die Tour an den Bergflanken von Arzberg und Deckersberg ist eine der Lieblingsrunden von Christoph Karwath-Päge. Er arbeitet als Fachdienst für die Förderstätten und ist vorab gesagt sehr gut zu Fuß. Die Route führt von Weiher aus über Leutenbach nach Ellenbach. Christoph braucht eine knappe Stunde. Wer gemütlicher unterwegs ist und den Ausblick auf Hersbruck und über das Pegnitztal genießen will, sollte besser zwei Stunden einplanen.

Auf der Hälfte der Strecke zwischen Leutenbach und Ellenbach, auf Höhe der Kirschgärten, steht Christophs Lieblingsbank. Hier kann man rasten und toll picknicken - manchmal in Gesellschaft einer Schafherde. Die Tiere sind typisch für die Gegend rund um Hersbruck. Das absolute Highlight hat sich diese Tour allerdings für den Schluss aufgehoben. In Ellenbach gibt es einen tollen Bienenlehrpfad. Er besteht aus sieben Schautafeln. Auf Ihnen sind Informationen rund um die auch für die Menschen lebensnotwendigen Insekten. Der Pfad beginnt am Ortseingang beim Bolzplatz, führt über den Säuweg vorbei an Feldern und Wiesen nach oben durch einen Kirschenhain und endet dann am Hutanger.

Weitere Infos zum Bienenlehrpfad

Ausflugstipp 5: Welpenrunde am Klingenhofer Anger

Einen Ort mit ganz besonderem Flair hat Ingrid Schön entdeckt. Mit ihrem sechs Monate alten Hovawart Henni besucht die Regionalleiterin der Rummelsberger Behindertenhilfe gerne den Klingenhofer Anger. Anfangs hat der jungen Hündin die kleine Runde um die schöne und uralte Eiche gereicht. Inzwischen laufen die beiden den ganzen Anger ab und bleiben dabei immer ganz konsequent auf den Wanderwegen: Denn der Hutanger ist ein geschützter Landschaftsbestandteil und er darf außerhalb der Wege nicht betreten werden. Der Plan ist, dass sie im Oktober von Engelthal aus zu Fuß zum Anger laufen. Das sind fünf Kilometer auf schönen Feld- und Waldwegen. Der Hutanger ist übrigens eine traumhafte Kulisse für ein Fotoshooting mit den Lieben. An der Eiche hängt eine Schaukel, auf der Ingrid auch schon mit Hund geschaukelt hat. 

Der Begriff Hutanger bezeichnet altes Weideland, das von den Rindern einer Dorfgemeinschaft beweidet wurde. Ein Dorfhirte wurde eigens von der Gemeinde zum Hüten und Versorgen der Tiere angestellt. Hut kommt von hüten, behüten, Tiere hüten und Anger bedeutet „ungepflügtes wildgrünes Grasland“. 

Sehr spannend sind am Klingenhofer Anger auch die Erdhaufen, die sich wie zu groß gewordene Maulwurfshügel aus der Wiese erheben. „Das sind verlassene Ameisenhügel. Die sind typisch für extensive Weiden“, erklärt Rainer Wölfel, Gebietsbetreuer für Hutanger des Naturschutzzentrums Wengleinpark. Weitere Infos zum Wengleinpark und zu den Hutangern

 


Von: Christoph Karwath-Päge und Heike Reinhold

Die Fotos in der Reihenfolge der Ferientipps. Fotos: Christl Schäfer-Geiger, Thomas Geiger, Christl Schäfer-Geiger, Thomas Geiger und Heike Reinhold

13.07.2021

Heilerziehungspflege-Schüler*innen ziehen Resümee über die Ausbildung in Corona-Zeiten

Einsatz in Praxisstellen ist herausfordernd – wichtige Stütze für Bewohner*innen

Ebenried – Endlich dürfen die Schüler*innen wieder in die Fachschule für Heilerziehungspflege in Ebenried kommen. Neben dem Unterricht geht es nun auch darum, bewusst zu reflektieren, wie für die Ausbildungsbeginner das erste Ausbildungsjahr gelaufen ist. Besonders gefehlt hat der persönliche Austausch in den Praxisstellen. Dort warteten auch die größten Herausforderungen auf die Schüler*innen.

Sylke Frauenhofer macht ihre praktische Ausbildung in einer Einrichtung für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Dort gab es über Weihnachten einen größeren Corona-Ausbruch. „Alle mussten im Zimmer bleiben und wir durften nur in voller Schutzkleidung arbeiten“, erzählt Sylke Frauenhofer. „Wir haben versucht, mit jedem einzeln ein kleines Weihnachten zu feiern. Besonders schwer war es, niemanden berühren zu dürfen, vor allem wenn die Bewohner zu einem sagen: ‚Ich will dich doch so gerne umarmen‘“.

Auch für die Fachschülerin Valentina Zigic führte der Lockdown zu schwierigen Situationen in ihrer Praxisstelle, einer Einrichtung für Menschen mit einer Mehrfachbehinderung: „Für die Bewohner war vieles verboten. Sie durften nicht raus, waren sehr isoliert, nicht mal ihre Eltern durften zu Besuch kommen. Sie hatten große Angst und haben gefragt: ‚Was ist los? Was ist das für eine Maske? Sind meine Eltern krank, weil ich sie nicht sehen darf? Wann ist es vorbei?‘“

Lehrkraft und stellvertretender Schulleiter Andreas Schock bewundert die Leistung der Schüler*innen in dieser Zeit: „Sie haben das seelische Überleben der Bewohner*innen ermöglicht“, sagt er.

An den Online-Unterricht haben sich längst alle gewöhnt, doch zu Beginn kam es auch dabei immer wieder zu Schwierigkeiten. „Am Anfang war es sehr angespannt, ich habe mir viel Stress gemacht“, berichtet Valentina Zigic. „Es gab immer wieder technische Schwierigkeiten oder jemand hatte Probleme mit dem Internet.“ „Alle Unterlagen und Skripte übersichtlich abzuspeichern und bei Bedarf wiederzufinden, hat viel Selbstorganisation gefordert. Das hat nicht immer geklappt“, ergänzt ihr Klassenkamerad Christian Obermeier, „und zu Hause ist man vielen Ablenkungen ausgesetzt, da ist es gar nicht so einfach, konzentriert dabei zu bleiben.“

Für Sylke Frauenhofer hatte der Online-Unterricht etwas Positives: „Ich war länger erkrankt und hätte nicht an die Schule fahren und am Unterricht teilnehmen können. Durch den digitalen Unterricht konnte ich die Ausbildung weiterführen, worüber ich sehr froh bin.“

Celina Pelka zieht ebenfalls ein positives Fazit: „Am Anfang war alles schwierig, aber es wurde immer besser und am Schluss war alles möglich.“ Die Schülerin stellt auch den Lehrkräften ein positives Zeugnis aus: „Die Lehrkräfte mussten ihren kompletten Unterricht umstellen. Das hat recht zügig geklappt. Mit Videokonferenzen, Einzelaufgaben und Gruppenarbeiten in digitalen Gruppenräumen war der Unterricht verständlich und abwechslungsreich. Auch bei Prüfungsleistungen sind uns die Dozenten entgegengekommen, haben Klausuren in Hausarbeiten oder mündliche Online-Prüfungen umgewandelt.“

Andreas Schock und die anderen Lehrkräfte haben das Gefühl, dass Interessenten wegen der schwierigen Lage derzeit oft zögern und sich unsicher sind, ob sie sich für die Heilerziehungspflegeausbildung bewerben sollen. Celina Pelka hat dazu eine Meinung: „Es ist natürlich unklar, wie lange es Corona-Einschränkungen geben wird, aber jetzt ist alles eingespielt, jetzt läuft alles. Das Schöne an der Fachschule Ebenried ist die familiäre Atmosphäre, man kennt jedes Gesicht. Also bewirb dich!“

Wer Interesse an der Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger*in hat kann sich unter www.rummelsberger-diakonie.de/hep oder direkt im Sekretariat unter 09179/96560 informieren. Die Bewerbung für den Ausbildungsbeginn im September 2021 ist noch möglich.


Von: Tina Dehm