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05.05.2022

Entspannter miteinander umgehen

Rummelsberger Diakonie setzt auf Unterstützte Kommunikation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Altdorf/Hilpoltstein/Mainleus – „Beziehung ist eine Folge von Kommunikation und damit auch nur so gut wie die Kommunikation“: Der Belgier Ludo Vande Kerckhove ist ein internationaler Kommunikationsexperte und arbeitet seit vielen Jahren mit Menschen mit Behinderung und einer Autismus-Spektrum-Störung. Seit sechs Jahren unterstützt er Mitarbeitende der Rummelsberger Diakonie. Denn von aktuell 1.200 Menschen mit Behinderung, die bei dem sozialen Träger wohnen, äußern sich 40 Prozent der Menschen nicht oder nur wenig lautsprachlich. In Sachen Kommunikation bedeutet das eine große Herausforderung, die sechs pädagogische Teams in Mittel- und Oberfranken nun mithilfe des belgischen Experten besser meistern können.

„Überfordert, überrollt, überstresst“, so charakterisiert Ludo Vande Kerckhove den 64-jährigen Max Meier (Name geändert). Er lebt im Haus Schmeilsdorf in Mainleus/Oberfranken und wie ihm geht es vermutlich vielen Menschen mit Behinderung, die in stationären Wohneinrichtungen leben. Der Tagesablauf ist durchgetaktet und lässt nicht viel Raum für individuelle Lebensstile, die Mitarbeiter*innen wechseln als Ansprechpartner*innen. An diesen Strukturen lässt sich nicht viel ändern. Dennoch kann sich der Umgang miteinander deutlich verbessern. „Wir haben im Team erarbeitet, wie wir künftig mit Max umgehen werden“, erzählt Martina Seuberling, Teamleiterin der Rummelsberger Einrichtung in Oberfranken. Denn die Reibereien beginnen mitunter schon früh am Morgen: Max Meier ist ein Morgenmuffel. „Wenn die Kolleg*innen zum Wecken ins Zimmer kommen und es zu eilig haben, dann ärgert sich Max. Nun haben wir eine Routine vereinbart, die ihm den Start in den Tag erleichtert. Das klappt viel besser“, erzählt Seuberling ein Beispiel.

Deutliche Verbesserungen vermeldet auch das Team vom Auhof im mittelfränkischen Hilpoltstein. „Seit dem Coaching ist Sven Berger viel entspannter“, berichtet Ulrike Rothlehner. Die 34-Jährige arbeitet als Heilerziehungspflegerin in der Einrichtung für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Sven Berger habe sich immer schwergetan, Zeitspannen einzuschätzen und war sehr ungeduldig. Im Coaching hat das Team einen Weg gefunden, Zeit sichtbarer zu machen und einen Tagesplan zu erstellen. „Wir zeigen nun mit einer Wäscheklammer an, was als nächstes drankommt“, erzählt Rothlehner. Damit könne Sven Berger gut umgehen.

„Die Bewohner*innen und die Mitarbeiter*innen profitieren sehr von den Coachings“, berichtet Anja Pudelko. Als Leiterin der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation (UK) 18 plus am Wichernhaus in Altdorf organisiert und begleitet sie mit ihrem Team die Kommunikations-Coachings. Die Beratungsstelle wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, das Zusammenleben und das Verständnis der Bewohner*innen zu verbessern und so die Selbstwirksamkeit der Menschen mit Behinderung zu stärken. „Viele erhalten eine grundlegende Unterstützung bei der Kommunikation. Das geht über die reine Vermittlung von Hilfsmitteln hinaus“, erklärt Pudelko.

Mit den Methoden der unterstützten Kommunikation lernen die Bewohner*innen etwa über Bildkarten oder elektronischen Hilfen wie zum Beispiel iPads verständlicher zu kommunizieren. Denn wer sich nicht verstanden fühlt, resigniert oder macht seinem Frust Luft. „Es kommt leider immer wieder vor, dass es zu herausfordernden Verhaltensweisen aufgrund von Missverständnissen in der Kommunikation kommt“, berichtet Pudelko.

Neben Coachings bietet die Beratungsstelle auch Weiterbildungen für Mitarbeitende an. „In den vergangenen drei Jahren haben wir rund 70 Mitarbeiter*innen mit dem zertifizierten Einführungskurs für Unterstützte Kommunikation weitergebildet“, berichtet Anja Pudelko. Die Idee sei, dass die UK-Fachkräfte ihr Wissen an die Kolleg*innen weitertragen. So soll sich die Methodik der Unterstützten Kommunikation in der Rummelsberger Behindertenhilfe verankern und die Kommunikation der Menschen miteinander nachhaltig verbessern. 


Von: Heike Reinhold

Die Lösung kann manchmal so einfach sein: Mit einer Wäscheklammer erfährt Sven Berger, Bewohner des Auhofs der Rummelsberger Diakonie in Hilpoltstein, nun auf seinem Tagesplan, was als nächstes ansteht. Foto: Makfirete Ramadani

05.05.2022

„Plauder-Gärtla“ eingeweiht

Erster Barrierefreier Garten der Rummelsberger Diakonie in Ebelsbach – Name wurde enthüllt

Ebelsbach – Bei strahlendem Sonnenschein wurde diese Woche mit vielen kleinen und großen Gästen das „Plauder-Gärtla“ in der Parkstraße eingeweiht. Seinen Namen erhielt der Garten über einen Namenswettbewerb. 51 Namensvorschläge waren insgesamt eingereicht worden. Ein Gremium aus Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen des Wohnbereichs der Rummelsberger Dienste für Menschen mit einer Behinderung wählten gemeinsam den Namen „Plauder-Gärtla“ von Frau Monika Göhr. Er bringt die Idee des Gartens auf den Punkt: Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen, Kinder und Erzieher*innen des benachbarten Kindergartens sowie alle interessierten Ebelsbacher*innen können hier zusammen verweilen und miteinander plaudern.

Auf die Wichtigkeit eines Gartens, nicht nur in Pandemiezeiten, wies Landrat Schneider in seinen Grußworten hin. Karl Schulz, Vorstand Rummelsberger Diakonie, ergänzte dies mit „der Garten ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs, des Beisammenseins. Für Menschen jeden Alters, für Menschen mit und ohne Behinderung, ja vielleicht auch für Menschen mit Vorbehalten, die diesen Ort nutzen, um ihren Mitmenschen zu begegnen und sie besser kennenzulernen.“

Das Plauder-Gärtla wurde gemeinsam mit den Bewohner*innen geplant, es ist rollstuhlgerecht und barrierefrei. Die Freude über die Rollstuhl-Rampe, die barrierefreien Wege, den barrierefrei zugänglichen Pavillon und die Schaukel ist groß. Möglich machten das alles zahlreiche Spenden, die über die Webseite infranken.de gewonnen worden waren. Eine großzügige Spende kam unter anderem von der Karl Wagner Stiftung.

Für die noch ungenutzten Flächen sind Hochbeete, ein Sinnesparcours und Gehege für Kleintiere geplant. Max, Bewohner der Rummelsberger Einrichtung und leidenschaftlicher Tischtennisspieler, wünscht sich außerdem eine Tischtennisplatte. Geplant sind auch Projekte zusammen mit dem katholischen Kindergarten. Die Kindergartenkinder konnten sich schon mit dem Garten vertraut machen und sangen den Gästen bei der Einweihung neu interpretierte bekannte Lieder vor. Aus „99 Luftballons“ von Nena wurde dabei zum Beispiel „26 Heimbewohner machen heute ne coole Party…“. Die weggedichteten Luftballons überreichten die Kinder anschließend den Bewohner*innen.

Bürgermeister Horn, Pfarrerin Schimmel und Dekan Lechner betonten die Wichtigkeit der Teilhabe am öffentlichen Leben und dass die Integration der Bewohner*innen nun auf eine neue, grüne Stufe gehoben werde. „Alle hier spüren ich bin wichtig und ich gehöre dazu,“ so Dekan Lechner in seiner Segnung. Bei Tanzmusik, Bratwürsten und Kaffee und Kuchen ging dann die „coole Party“ für Groß und Kein in den lockeren Teil über.

Jetzt darf erstmal alles wachsen, die Pflanzen und auch die Ideen. Dafür bekam Regionalleiter Günter Schubert extra eine Gießkanne vom Kindergarten überreicht.


Von: Katja Schmeisser

Einweihung des Garten in Ebelsbach

05.05.2022

Entspannter miteinander umgehen

Rummelsberger Diakonie setzt auf Unterstützte Kommunikation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Altdorf/Hilpoltstein/Mainleus – „Beziehung ist eine Folge von Kommunikation und damit auch nur so gut wie die Kommunikation“: Der Belgier Ludo Vande Kerckhove ist ein internationaler Kommunikationsexperte und arbeitet seit vielen Jahren mit Menschen mit Behinderung und einer Autismus-Spektrum-Störung. Seit sechs Jahren unterstützt er Mitarbeitende der Rummelsberger Diakonie. Denn von aktuell 1.200 Menschen mit Behinderung, die bei dem sozialen Träger wohnen, äußern sich 40 Prozent der Menschen nicht oder nur wenig lautsprachlich. In Sachen Kommunikation bedeutet das eine große Herausforderung, die sechs pädagogische Teams in Mittel- und Oberfranken nun mithilfe des belgischen Experten besser meistern können.

„Überfordert, überrollt, überstresst“, so charakterisiert Ludo Vande Kerckhove den 64-jährigen Max Meier (Name geändert). Er lebt im Haus Schmeilsdorf in Mainleus/Oberfranken und wie ihm geht es vermutlich vielen Menschen mit Behinderung, die in stationären Wohneinrichtungen leben. Der Tagesablauf ist durchgetaktet und lässt nicht viel Raum für individuelle Lebensstile, die Mitarbeiter*innen wechseln als Ansprechpartner*innen. An diesen Strukturen lässt sich nicht viel ändern. Dennoch kann sich der Umgang miteinander deutlich verbessern. „Wir haben im Team erarbeitet, wie wir künftig mit Max umgehen werden“, erzählt Martina Seuberling, Teamleiterin der Rummelsberger Einrichtung in Oberfranken. Denn die Reibereien beginnen mitunter schon früh am Morgen: Max Meier ist ein Morgenmuffel. „Wenn die Kolleg*innen zum Wecken ins Zimmer kommen und es zu eilig haben, dann ärgert sich Max. Nun haben wir eine Routine vereinbart, die ihm den Start in den Tag erleichtert. Das klappt viel besser“, erzählt Seuberling ein Beispiel.

Deutliche Verbesserungen vermeldet auch das Team vom Auhof im mittelfränkischen Hilpoltstein. „Seit dem Coaching ist Sven Berger viel entspannter“, berichtet Ulrike Rothlehner. Die 34-Jährige arbeitet als Heilerziehungspflegerin in der Einrichtung für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Sven Berger habe sich immer schwergetan, Zeitspannen einzuschätzen und war sehr ungeduldig. Im Coaching hat das Team einen Weg gefunden, Zeit sichtbarer zu machen und einen Tagesplan zu erstellen. „Wir zeigen nun mit einer Wäscheklammer an, was als nächstes drankommt“, erzählt Rothlehner. Damit könne Sven Berger gut umgehen.

„Die Bewohner*innen und die Mitarbeiter*innen profitieren sehr von den Coachings“, berichtet Anja Pudelko. Als Leiterin der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation (UK) 18 plus am Wichernhaus in Altdorf organisiert und begleitet sie mit ihrem Team die Kommunikations-Coachings. Die Beratungsstelle wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, das Zusammenleben und das Verständnis der Bewohner*innen zu verbessern und so die Selbstwirksamkeit der Menschen mit Behinderung zu stärken. „Viele erhalten eine grundlegende Unterstützung bei der Kommunikation. Das geht über die reine Vermittlung von Hilfsmitteln hinaus“, erklärt Pudelko.

Mit den Methoden der unterstützten Kommunikation lernen die Bewohner*innen etwa über Bildkarten oder elektronischen Hilfen wie zum Beispiel iPads verständlicher zu kommunizieren. Denn wer sich nicht verstanden fühlt, resigniert oder macht seinem Frust Luft. „Es kommt leider immer wieder vor, dass es zu herausfordernden Verhaltensweisen aufgrund von Missverständnissen in der Kommunikation kommt“, berichtet Pudelko.

Neben Coachings bietet die Beratungsstelle auch Weiterbildungen für Mitarbeitende an. „In den vergangenen drei Jahren haben wir rund 70 Mitarbeiter*innen mit dem zertifizierten Einführungskurs für Unterstützte Kommunikation weitergebildet“, berichtet Anja Pudelko. Die Idee sei, dass die UK-Fachkräfte ihr Wissen an die Kolleg*innen weitertragen. So soll sich die Methodik der Unterstützten Kommunikation in der Rummelsberger Behindertenhilfe verankern und die Kommunikation der Menschen miteinander nachhaltig verbessern. 


Von: Heike Reinhold

Die Lösung kann manchmal so einfach sein: Mit einer Wäscheklammer erfährt Sven Berger, Bewohner des Auhofs der Rummelsberger Diakonie in Hilpoltstein, nun auf seinem Tagesplan, was als nächstes ansteht. Foto: Makfirete Ramadani